Die Aquinos Bedding Austria GmbH aus Timelkam meldete am 22. August 2025 Eigeninsolvenz an – mit Verbindlichkeiten von rund 4,8 Millionen Euro und 140 Gläubigern. Was hinter dem Aus des Matratzenherstellers steckt und wie es um die internationale Aquinos Group steht.

Standort: Timelkam, Österreich · Mitarbeiter betroffen: 17 · Gläubiger: 140 · Verbindlichkeiten: 4,8 Mio. Euro

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
  • Insolvenz angemeldet am 22. August 2025 (Kurier)
  • 17 Mitarbeiter direkt betroffen (Meinbezirk)
  • KSV1870 und Creditreform bestätigen Zahlungsunfähigkeit (Kurier)
2Was unklar ist
  • Exakter Umsatz der österreichischen Tochter vor der Pleite
  • Erfolgsaussichten der Sanierung aktuell nicht abschätzbar
  • Zukünftiger Konzernstatus der Aquinos Group insgesamt
3Zeitleisten-Signal
  • Aquinos Bedding Germany insolvent seit 11. Juli 2025 (InteriorDaily)
  • Aquinos Bedding Switzerland insolvent seit 31. Oktober 2025 (InteriorDaily)
4Wie es weitergeht
  • Erste Gläubigerversammlung am 20. November 2025 geplant (Meinbezirk)
  • Masseverwalter prüft Fortführung der Schuldnerin (Meinbezirk)
  • Konzerninterner Finanztransfer als mögliche Rettung (Meinbezirk)

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unternehmensdaten der Aquinos Bedding Austria GmbH zusammen.

Firmensteckbrief: Aquinos Bedding Austria GmbH
Feld Angabe
Firmenbuch-Nr. FN 97479b
Sitz Timelkam, Österreich
Branche Polstermöbel und Bettwaren
Status Insolvent (Konkursverfahren)
Verbindlichkeiten 4,8 Millionen Euro
Gläubiger 140
Mitarbeiter betroffen 17
Eigentümer Aquinos Industry Business and Management SA (100%)

Was ist Aquinos Bedding Austria GmbH?

Die Aquinos Bedding Austria GmbH ist ein Matratzenhersteller mit Sitz in Timelkam, Oberösterreich. Das Unternehmen wurde 1991 gegründet und produziert Matratzen, Lattenroste und Zubehör für den Bettwarenmarkt. Seit April 2022 trägt die Firma ihren heutigen Namen – davor war sie als Sembella GmbH bekannt.

Standort und Branche

Der Standort Timelkam ist seit Jahrzehnten ein Knotenpunkt für die österreichische Möbelindustrie. Die Firma produzierte Bettwaren für den heimischen Markt sowie für Exportmärkte in Mitteleuropa. Im Geschäftsjahr 2024 beschäftigte das Unternehmen laut Berichten des Kurier noch 45 Mitarbeiter.

Verbindung zur Aquinos Group

Die Aquinos Bedding Austria GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der portugiesischen Aquinos Industry Business and Management SA. Der Mutterkonzern hält die Anteile im Wert von 4.705.900 Euro, wie offizielle Firmenbuchdaten belegen. Die Aquinos Group gilt als globaler Pionier in Polstermöbeln und betreibt nach eigenen Angaben über 20 Standorte in Europa.

Anmerkung der Redaktion

Sembella stand seit über 50 Jahren für Schlafsysteme am österreichischen Markt. Die Übernahme durch Aquinos im April 2022 markierte das Ende einer eigenständigen Ära.

Warum ist Aquinos Bedding Austria GmbH insolvent?

Mehrere Faktoren führten zur Zahlungsunfähigkeit. Der Kurier berichtet von einem Marktrückgang im deutschen Bettwarenmarkt im Jahr 2024, der als Hauptursache gilt. Gleichzeitig sorgten Lieferkettenprobleme mit drei konzerninternen Beschaffern für zusätzlichen Druck.

Zahlungsunfähigkeit und Gläubiger

Das Konkursverfahren wurde am Landesgericht Wels eröffnet. Gegenüber 140 Gläubigern bestehen Verbindlichkeiten von rund 4,8 Millionen Euro. Sowohl der KSV1870 als auch Creditreform bestätigen die Insolvenz und arbeiten an der Abwicklung. Die erste Gläubigerversammlung ist für den 20. November 2025 angesetzt.

Betroffene Mitarbeiter

17 Mitarbeiter sind direkt von der Insolvenz betroffen. Der Masseverwalter Alexander Meinschad vom KSV1870 prüft derzeit, ob eine Fortführung der Schuldnerin weitere Verluste für die Gläubiger bedeuten würde. Das Unternehmen selbst plant, durch Eintreibung von Forderungen, Abarbeitung von Aufträgen und Liquidität aus dem Konzern die Sanierung zu erreichen.

Der Todesstoß

Günther Moser von Creditreform beschrieb gegenüber dem Kurier die Ursache klar: „Der Anstieg bei den Produktions-, Material- und Personalkosten hat der Schuldnerin dann den Todesstoß versetzt.”

Was ist die Aquinos Group?

Die Aquinos Group ist ein internationaler Möbel- und Matratzenhersteller mit Hauptsitz in Portugal. Der Konzern beschreibt sich selbst als globalen Pionier in Polstermöbeln und Bettlösungen. Mit über 5000 Mitarbeitern an 20 Standorten in Europa erwirtschaftet die Gruppe einen Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro jährlich.

Unternehmensprofil

Die Aquinos Industry Business and Management SA mit Sitz in Portugal fungiert als Holding für mehrere europäische Töchter. Neben der österreichischen Aquinos Bedding Austria gehören auch Gesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Polen und den Niederlanden zum Konzernverbund.

Aktivitäten in Europa

Der Konzern hat in den letzten Jahren sein europäisches Netzwerk ausgebaut, aber auch Verluste gemacht. Im Mai 2025 verkaufte Aquinos seine belgische Tochter an Somnis Bedding. Die Produktion in der Niederlande-Tochter wurde eingestellt. Diese Verkäufe und Stilllegungen deuten auf finanzielle Schwierigkeiten auch auf Konzernebene hin.

Welche Verbindung gibt es zwischen Sembella und Aquinos?

Die Marke Sembella wurde im April 2022 von Aquinos übernommen. Zunächst firmierte die österreichische Tochter unter Sembella GmbH, bevor am 15. April 2022 die Namensänderung zu Aquinos Bedding Austria vollzogen wurde. Der Verkäufer war die belgische Recticel N.V., wie Daten von NorthData belegen.

Insolvenzverfahren

Sembella selbst ist nicht insolvent – die Insolvenz betrifft die Rechtsperson Aquinos Bedding Austria GmbH. Die Sembella-Marke könnte jedoch von der Abwicklung betroffen sein, falls keine Fortführungslösung gefunden wird. Aktuell ist die Zukunft der Marke ungewiss.

Firmenstruktur

Die Firmenstruktur zeigt eine komplexe Konzernarchitektur: Die Muttergesellschaft Aquinos Industry hält 100 Prozent der Anteile an der österreichischen Tochter. Frühere Namensänderungen belegen eine lange Geschichte – bereits am 4. Oktober 2001 erfolgte eine Umbenennung von Sembella GmbH.

Internationale Aktivitäten der Aquinos Group?

Die Aquinos Group ist in mehreren europäischen Ländern aktiv. Neben Österreich gab es Konkurse in Deutschland und der Schweiz, während in Belgien ein Verkauf stattfand.

Aquinos Group Portugal

Portugal bildet das Fundament des Konzerns. Die Aquinos Industry Business and Management SA mit Sitz in Portugal steuert die europäischen Töchter und fungiert als strategische Zentrale. Die dortigen Produktionsstätten gehören zu den ältesten des Konzerns.

Aquinos Polska

In Polen ist Aquinos ebenfalls mit Produktions- und Vertriebsaktivitäten präsent. Die polnische Tochter gehört zum europäischen Netzwerk, das Matratzen und Bettwaren für verschiedene Märkte herstellt.

Was zu beobachten ist

Die Konzernpleiten in Deutschland (Juli 2025), Österreich (May 2025) und Schweiz (Oktober 2025) innerhalb eines halben Jahres werfen Fragen zur finanziellen Gesundheit der gesamten Aquinos Group auf.

Bestätigte Fakten

  • Insolvenz mit 140 Gläubigern und 4,8 Mio. Euro Verbindlichkeiten
  • 17 Mitarbeiter in Timelkam betroffen
  • Sembella-Marke im April 2022 von Aquinos übernommen
  • Konzernweit multiple Insolvenzen 2025

Unklarheiten

  • Exakter Umsatz der österreichischen Tochter vor Insolvenz
  • Zukünftiger Konzernstatus der Aquinos Group
  • Erfolgsaussichten der Sanierung
  • Verbleib der Sembella-Marke

Chronologie: Die wichtigsten Daten

Die folgende Tabelle dokumentiert die wesentlichen Stationen des Unternehmens und des Konzerns.

Zeitleiste: Aquinos Bedding Austria und Konzern
Datum Ereignis
1991 Unternehmensgründung als Matratzenhersteller
04.10.2001 Namensänderung zu Sembella GmbH
April/Juli 2022 Übernahme durch Aquinos, Namensänderung zu Aquinos Bedding Austria am 15.04.2022
Mai 2025 Verkauf der belgischen Tochter an Somnis Bedding
11.07.2025 Aquinos Bedding Germany insolvent (vorläufiges Verfahren)
22.08.2025 Aquinos Bedding Austria insolvent (Eigeninsolvenz)
31.10.2025 Aquinos Bedding Switzerland insolvent (Bankrott)
20.11.2025 Erste Gläubigerversammlung in Österreich

Die Häufung der Insolvenzen im Jahr 2025 deutet auf eine konzernweite Krise hin. Nach dem Verkauf der belgischen Tochter im Mai folgten innerhalb weniger Monate Insolvenzen in drei europäischen Ländern.

Stimmen zur Insolvenz

Der Anstieg bei den Produktions-, Material- und Personalkosten hat der Schuldnerin dann den Todesstoß versetzt.

— Günther Moser, Creditreform (Kreditschutzvereinigung)

Der Masseverwalter wird prüfen, ob eine Fortführung der Schuldnerin weitere Verluste für die Gläubiger bedeuten würde.

— Alexander Meinschad, KSV1870 (Masseverwalter)

Beide Expertenmeinungen verdeutlichen, dass die Kostenentwicklung – insbesondere bei Material und Personal – die igkeit des Unternehmens beschleunigt hat. Die Frage einer möglichen Fortführung bleibt offen.

Fazit: Aquinos Bedding Austria ist mit 4,8 Millionen Euro Schulden und 140 Gläubigern gescheitert. Mitarbeiter in Österreich bangen um ihre Jobs, während der Mutterkonzern in Portugal mit multiplen Konkursen kämpft. Für Gläubiger bedeutet die Masseunzulänglichkeit wahrscheinlich hohe Verluste.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Gläubiger hat Aquinos Bedding Austria?

140 Gläubiger sind von der Insolvenz betroffen. Sie halten Forderungen in Höhe von insgesamt 4,8 Millionen Euro.

Wo sitzt Aquinos Bedding Austria GmbH?

Die Firma hat ihren Sitz in Timelkam, Oberösterreich. Das Konkursverfahren läuft am Landesgericht Wels.

Ist Aquinos Bedding Austria noch aktiv?

Das Unternehmen befindet sich im Konkursverfahren. Der Masseverwalter prüft derzeit, ob eine Fortführung möglich ist.

Welche Rolle spielt Sembella im Konzern?

Sembella war die ursprüngliche Marke der österreichischen Tochter. Die Übernahme durch Aquinos erfolgte im April 2022. Die Sembella-Marke könnte von der Abwicklung betroffen sein.

Gibt es Umsatzdaten zur Aquinos Group?

Die Aquinos Group gibt einen jährlichen Umsatz von über 600 Millionen Euro an. Die genauen Finanzdaten der einzelnen Töchter sind nicht öffentlich verfügbar.

Welche Länder umfasst der Aquinos Group?

Der Konzern ist in Portugal, Österreich, Deutschland, Schweiz, Polen und Belgien aktiv. Die belgische Tochter wurde im Mai 2025 verkauft.

Was sind die Folgen der Insolvenz?

Für die 17 betroffenen Mitarbeiter besteht Unsicherheit über ihre Arbeitsplätze. Die 140 Gläubiger müssen mit Verlusten rechnen, da die Insolvenzmasse wahrscheinlich nicht ausreicht.